Microsoft: Desktop in der Cloud

  • Datum 02-03-2010
  • Von Mehmet Toprak

Microsoft will die Cebit nutzen, um seine Strategie für 2010 zu präsentieren. Die wichtigsten Ankündigungen: Cloud Computing, Office 2010 und eine Kooperation mit Xing.

Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner steht Cloud Computing auf Platz zwei der Prioritätenliste von CIOs für das Jahr 2010. Kein Zweifel, die Technik hat die Hype-Phase hinter sich und erste Unternehmen machen bereits konkrete Erfahrungen mit den Online-Services. Microsoft will dabei ganz vorne mit dabei sein und hat jetzt auf der Cebit seine Angebote rund um die Cloud Computing-Plattform Windows Azure vorgestellt.

Microsofts Messestand auf der Cebit 2010. (Bild: Microsoft)

Berater und Vertreter für Windows Azure
Chef-Software-Entwickler Ray Ozzie hatte Windows Azure schon Ende Oktober 2008 auf der Professional Developers Conference (PDC) in Los Angeles angekündigt. Seit einigen Monaten ist die Technologie nutzbar. Einige prominente Vertriebspartner kann Microsoft ebenfalls schon vorzeigen, darunter Accenture, Atos Origin, BT, HP, T-Systems und Vodafone. Über 500 Partnerunternehmen mit 3000 Beratern sind laut Microsoft unterwegs, um die Kunden für das Cloud Computing à la Microsoft zu begeistern. Angeblich werden die Online-Services, die unter anderem Exchange Online und Sharepoint Online beinhalten, schon von mehr als 500 Unternehmenskunden eingesetzt.



Windows Azure, die Cloud Computing-Plattform von Microsoft, hat wenige Monate nach dem Start schon mehr als 500 Kunden aus dem Unternehmensbereich. (Logo: Microsoft)


Ironie der Geschichte: Microsoft und Software im Netz

Laut Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, sind »Cloud Services kein Hype, sondern ein Technologiesprung, so wie einst die Einführung des PCs in die Arbeitswelt«. Die Aussage entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn schließlich zieht gerade Microsoft seine größten Profite mit Windows und Office aus dem Desktop-Geschäft. In den 90er Jahren hatte der Softwareriese argwöhnisch das Treiben des Konkurrenten Sun Microsystems beobachtet: Die Programmiersprache Java und der Netzcomputer, bei denen die Software ebenfalls nicht mehr auf dem Desktop läuft, sollten dem traditionellen Desktop-PC den Garaus machen.

Auch wenn Java und Netzcomputer trotz des anfänglichen Hypes nicht in der Lage waren, Microsofts Herrschaft über die PC-Welt auch nur annähernd zu gefährlich zu werden - der Trend zu Software-Diensten aus den Web hat in den letzten Jahren immer mehr Fahrt aufgenommen und dabei ganz unterschiedliche Modelle entwickelt und sei es nur eine schlichte Office-Anwendung im Web wie Googles »Text und Tabellen«. Auch Adobe, ebenfalls einer der Pioniere des Desktop-Zeitalters bietet mit Acrobat.com eine Online-Plattform für Büroarbeiter. Microsoft bleibt also gar nichts anderes übrig, als auf Cloud Computing zu setzen und will sich nun an die Spitze der Entwicklung setzen.

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