»Der menschliche Faktor«

  • Datum 23-07-2010
  • Von Mehmet Toprak

Professor Katharina von Helmolt lehrt Interkulturelle Kommunikation an einer Münchner Hochschule. Im eWEEK-Interview spricht von Helmolt über das Management internationaler Teams, die Risiken von Videoconferencing und das Image deutscher Manager im Ausland.

Unternehmen, die international operieren, beschäftigen in der Regel Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern. Vor allem bei Projekten müssen häufig kurzfristig Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern zu Teams zusammenfinden. Hier ist interkulturelle Kompetenz gefragt, sonst sind Projekte vom Scheitern bedroht.

Welche Schwierigkeiten zu bewältigen sind, aber auch welche Chancen die internationale Zusammenarbeit bietet, das weiß Professor Katharina von Helmolt. Sie leitet den Masterstudiengang Interkulturelle Kommunikation an einer Hochschule in München. Im Interview spricht von Helmolt über unterschiedliche Arbeitsweisen, die Risiken bei Vidoeconferencing und das Image deutscher Manager.

eWEEK: Wenn ein Unternehmen ein internationales Projekt startet, muss es sicher auch auf interkulturelle Faktoren achten? Worauf genau kommt es an?
von Hemolt: Zunächst einmal ist auf das Offensichtliche zu achten. Dazu gehören Faktoren wie unterschiedliche Zeitzonen und unterschiedliche Technologiestandards. Auch die gemeinsame Arbeitssprache sollte man vorher festlegen.

Weniger leicht zu erkennen sind die interkulturellen Unterschiede im Arbeitsstil: Andere Nationen haben oft auch andere Arbeitsroutinen oder gehen bei der Planung und Problemlösung unterschiedlich vor.

Ein Beispiel, bitte.
Deutsche legen viel Wert auf exakte Anforderungsdefinitionen und eine genaue Ablaufplanung. Lateinamerikanische Projektpartner planen am Anfang grober und passen den Projektablauf dann flexibel an.

»Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, ausgefeilte Technik könnte den menschlichen Faktor ausschalten.« Professor Dr. Katharina von Helmolt

Und die gemeinsamen Konferenzen laufen sicher auch nicht immer problemlos ab ...
Genau, es gibt oft ganz verschiedene Vorstellungen vom Ablauf eines Meetings. Das merkt man schon bei der Erstbesprechung. Deutsche erwarten gute Vorbereitung und verbindliche Absprachen. Amerikaner erwarten vor allem Motivation durch den Vorgesetzten. Die Franzosen suchen den Ideenaustausch, bei dem sie ihre intellektuellen und rhetorischen Fähigkeiten demonstrieren können.

Auch der Kommunikationsstil ist von Nation zu Nation anders. Deutsche drücken Ablehnung und Kritik relativ direkt aus. In asiatischen Kulturen wird dagegen der indirekte Kommunikationsstil bevorzugt. Solche Kulturen tendieren dazu, die deutsche Direktheit als persönlichen Angriff zu interpretieren.

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