Interview: »Die IT-Technik ist zu komplex«

  • Datum 26-02-2009
  • Von Mehmet Toprak

Wie können sich Unternehmen in Zeiten des Wandels am besten aufstellen? Gunter Dueck, IBMs Chief Technologist, empfiehlt den Kulturwandel zum Enterprise 2.0 und bei der IT-Ausstattung vor allem eines: Aufräumen.

Wenn das häufig zitierte Wort vom »Vordenker« auf jemanden zutrifft, dann auf Gunter Dueck. Als Chief Technologist bei IBM berät er das Unternehmen zu neuen Technologien und Strategien.

Eine der Hauptthesen von Gunter Dueck: Die Infrastrukturen der physischen Welt und die der digitalen Welt verschmelzen miteinander. So entsteht eine »smarte« Welt, in der Produkte und Techniken aus allen Bereichen miteinander vernetzt sind. Für Unternehmen fordert Dueck eine Kultur des fließenden Anpassens. Diese soll an die Stelle der einseitigen Fokussierung auf Projekte treten.

Dueck ist Mitglied der IBM Academy of Technology. Deren Mitglieder erstellen strategische Studien für die Zukunft von IBM und beraten das Management. Außerdem ist er auch als Buchautor erfolgreich (»Abschied vom Homo Oeconomicus«).
Das Interview wurde per E-Mail geführt.

eWEEK: Die Bundesregierung will im zweiten Konjunkturpaket den Ausbau von Breitband-Internetzugängen in Deutschland vorantreiben. Was halten Sie davon?
Professor Dueck: Das habe ich im Vorfeld des IT-Gipfels immer selbst gefordert! Eine Rede dazu ist im Netz oder auf meiner Homepage zu finden. Ich freu mich darüber sehr, auch persönlich, weil mein Wohnort Neckargemünd leider noch nicht zur Welt im engeren Sinne gehört. Ein paar Kilometer neben der Elite-Uni Heidelberg ist schon IT-Diaspora.

Auf der CeBIT wird viel über Webciety diskutiert. Wie beurteilen Sie den Trend, social networks zunehmend in die Unternehmensstrategie einzubinden?
In meinem Kalender steht, dass ich auf einer solchen Veranstaltung auf dem Podium sitze. Ich selbst habe bei der IBM die »Bluepedia« eingeführt, bzw. Mitarbeiter dafür begeistert. Wie in einer Wikipedia schreiben schon knapp 1000 IBMer daran. Ich finde Ihre Frage witzig, weil Sie indirekt meinen, das Ganze als Unternehmensstrategie sehen zu können. Meinen Sie das echt so?

Naja, Firmenmanager wollen gerne alles im Griff haben.
Mit Aufpassern, Qualitätsmanagement und Vorgaben der Artikelzahl pro Woche? Web 2.0 machen bei uns nur die »Mitarbeiter 2.0«, einfach so. Weil wir das gut finden.









»Ich finde Ihre Frage witzig. Meinen Sie das echt so?« Gunter Dueck, Chief Technologist bei IBM.









Sie kritisieren den »Projektizismus« in vielen Unternehmen. Was meinen Sie damit? Was ist für Unternehmen die Alternative? Könnten Sie ein Beispiel geben?
Dach ausbessern oder Kühlschrank reparieren ist ein Projekt. Aber das Hineinwachsen der Unternehmen in so etwas wie ein Enterprise 2.0 ist ein Kulturwandel, den nicht eine Strategie-Truppe von Change-Agents in ein paar Brainstormings hinbekommt.

Wer dann?
Verschiedene punktuelle Veränderungsprojekte führen zu lokalen Erfolgen, aber sie verbinden sich nicht zu einer ganzen Kulturbewegung. Kulturen ändert man nicht mit auch noch so vielen Einzelprojekten.

Die Idee, alles als Projekt durchzuziehen, ist eine Idee der Effizienz, keine der Kultur. Projekte optimieren lokal, nicht global. Die Ideologie, auch Kulturwandel als Projekt zu sehen, habe ich mit »Projektizismus« beseufzt.

Lesen Sie auf Seite 2: Kulturwandel in Unternehmen

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