Urchs: »Web 2.0 gibt Firmen ein menschliches Gesicht«

  • Datum 20-01-2009
  • Von Mehmet Toprak

Lästige Mode oder echter Nutzen? Web 2.0 ist bei Firmen noch nicht angekommen. Internet-Guru Ossi Urchs erklärt im eWEEK-Interview, warum Firmen die neuen Techniken nutzen sollten.

Social Networks sind zu einem Lieblingsthema der Marktforscher und Berater geworden. Die Experten raten fast einhellig, Techniken wie Social Networking auch in Unternehmen zu nutzen. Einer von ihnen und gleichzeitig einer der besten Kenner der Digitalen Welt ist Ossi Urchs.

Er ist schon seit Mitte der 80er Jahre Spezialist für interaktive Medien und hat 1997 beim TV-Sender ntv ein businessorientiertes Internet-Magazin präsentiert. Seitdem ist er als Autor, Kolumnist für zahlreiche Magazine vom Playboy bis zu Netinvestor tätig und nimmt Lehraufträge an Hochschulen wahr.
Daneben berät er Unternehmen in Seminaren und Vorträgen in allen Fragen rund um Marketing und Internet.

Die eWEEK-Redaktion wollte von Urchs wissen, wie Unternehmen die Möglichkeiten von Social Networking einsetzen können. Das Interview wurde per E-Mail geführt.

eWEEK: Was bringt Web 2.0 für Unternehmen?
Urchs: Web 2.0 und insbesondere die Sozialen Netzwerke sind die Basis für den intensiven Austausch der Nutzer untereinander. Für Unternehmen ist das eine hervorragende Möglichkeit festzustellen, wie sie in den Augen der Nutzer, und damit ihrer potentiellen Kunden, dastehen: Welches Image hat mein Unternehmen, meine Marke? Wie wird über uns gesprochen und gedacht? Gibt es Mängel in irgendwelchen Bereichen bzw. bei irgendwelchen Services, die Nutzer und Kunden verärgern? Das sind wertvolle Einsichten zum Selbstkostenpreis!





Web 2.0 als Herausforderung fürs Zeitmanagement: »Wer vom Kommunikationsaufkommen überflutet wird, hat noch nicht gelernt, es zu organisieren.« (Bild: Urchs)








Bisher war Unternehmenskommunikation weitgehend eine Einbahnstraße. Jetzt eröffnet sich die Möglichkeit, in einen direkten Dialog mit den Kunden zu treten. Und das nicht nur punktuell, sondern kontinuierlich.

In welchen Abteilungen der Firma sind Web-2.0-Techniken besonders nützlich?
Das ist nicht auf eine bestimmte Abteilung begrenzt. Im Gegenteil: Sie bieten in so gut wie allen Bereichen Optimierungspotential, also in der Organisation und den Strukturen, den Prozessen und Abläufen. Deswegen sprechen Berater in diesem Zusammenhang heute auch vom »Unternehmen 2.0«.

Besonders wichtig sind diese Techniken allerdings überall dort, wo man auf Menschen, auf Mitarbeiter wie auf Kunden trifft. Da kann man der Firma so etwas wie ein menschliches Gesicht und eine menschliche Sprache verleihen.


»Ein neugieriger Mensch, der gern ausprobiert, was neue Informations- und Kommunikationstechniken zu bieten haben«, sagt Urchs über sich selbst. (Bild: Urchs)

Wie weit sind deutsche Unternehmen schon in der Adaption dieser neuen »Kulturtechnik«? Wo hakt es noch?
Nur wenige Unternehmen, ob in Deutschland oder anderswo, nutzen diese Potentiale heute schon konsequent. In einigen Teilbereichen, ob in der Online-Präsenz mit einem Management-Blog oder auch im Onlineshop, wo die Kunden eigene Bewertungen der Produkte abgeben, mag das anders aussehen. Viele nutzen auch schon Wikis für die Mitarbeiter in der Entwicklung oder Support.
Dann kann man ja zufrieden sein ...
Nicht ganz, denn viele Entscheider, die selbst oft nur wenig Erfahrung mit dem Web 2.0 haben, scheuen sich noch, alle Bereiche des Unternehmens im Zeichen von Web 2.0 auf den Prüfstand zu stellen. Dabei ist gerade dieser Schritt heute unverzichtbar.

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