»Ohne Open Source kein Internet«

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Open Source ist mehr als Software mit offenem Quellcode. Immer mehr Firmen entdecken das kommerzielle Potential. Gut so, meint Ex-IBM-Chef Richard Seibt.
Der Autor des nachfolgenden Beitrags ist in der IT-Branche kein Unbekannter. In seiner langen Karriere war Richard Seibt unter anderem Geschäftsführer von IBM Deutschland, Vorstandsmitglied von United Internet, CEO von SuSE Linux und President von Novell EMEA.
Seit einiger Zeit engagiert sich Seibt sehr stark im Bereich Open-Source. Er ist heute Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Foundation und Aufsichtsrat in mehreren Open Source-Unternehmen. In seinem ersten Beitrag setzt sich Seibt mit den Businessmodellen auseinander, die mit Open Source möglich sind:
Immer wieder wird auf Veranstaltungen oder in Gesprächen die Frage gestellt, wie mit Open Source Geld zu verdienen sei. Eigentlich ist es ganz einfach. Es gibt prinzipiell drei Geschäftsmodelle.
Hier nehmen IT-Service-Unternehmen frei zur Verfügung stehenden Code, zum Beispiel Linux, Drupal, Typo3 oder SugarCRM, und helfen ihrem Kunden dabei, den Code einzusetzen. So entsteht daraus beispielsweise ein Linux-Client wie etwa bei der Stadt München. Das IT-Service-Unternehmen bietet seine Dienstleistung zu Tagessätzen oder auf Basis eines Werkvertrags an und verdient am Servicesatz pro Tag oder Stunde. 
»Unverzichtbare Vorteile von Open Source« Richard Seibt, Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Foundation
Zahlen für die Service-Leistung
Für den Kunden ist dies attraktiv, weil das Unternehmen oder die Organisation - in unserem Beispiel die Stadt München - nur die Serviceleistung zahlt, aber keine Lizenzgebühren anfallen. Meist ist es für den Kunden sinnvoll, mit dem IT-Service-Unternehmen auch einen Wartungsvertrag für die implementierte Lösung zu schließen. Darin sollten Service Level definiert und Strafen bei deren Nichteinhaltung vereinbart werden. Hier winken dem Kunden also beträchtliche Einsparungen - in Höhe der Lizenzgebühren. Entsprechend wird das IT-Service-Unternehmen bei seinem Angebot für das Projekt mit einem deutlichen Preisvorteil punkten können.
Hier entscheiden sich Softwareunternehmen dazu, ihren Code unter eine OSI-Lizenz zu stellen und Standard-Maintenance- und -Supportverträge anzubieten. Dieses Modell ist beispielsweise dem von Red Hat und Novell für Linux vergleichbar und wird auch von vielen anderen Softwareunternehmen genutzt. Mitunter ist in diesem Zusammenhang auch von »Professionellen Open Source-Softwareunternehmen« die Rede.

Die Homepage der Open Source Business Foundation
Das Marketing dieser Softwareunternehmen ist darauf ausgerichtet, einen Interessenten auf die Website zu leiten, ihn dazu zu bewegen, die kostenlose Software herunterzuladen, sie auszuprobieren und produktiv zu nutzen - um am Ende wird der Kunde, überzeugt von der Leistungsfähigkeit der Software, das Softwareunternehmen um die Zusendung eines - kostenpflichtigen - Vertrages für Maintenance und Supportdienstleistungen bitten. In einem gewissen Sinn wird hier im nachhinein so etwas wie ein »Versicherungs-Vertrag« verkauft.
Sales- und Marketingkosten reduzieren
Bei diesem Modell profitiert das Open Source-Softwareunternehmen davon, dass es seine Sales- und Marketingkosten um 50 Prozent oder mehr reduziert. In einem konkreten Fall konnte ein Anbieter im Enterprise-Software-Umfeld seinen Sales-Cycle von über 15 Monaten auf unter 5 Monate senken, nachdem er eine Open Source-Lösung angekündigt hatte. Heute erwirtschaftet das Unternehmen 50 Prozent seines Umsatzes mit Kunden, die zunächst die freie Version heruntergeladen haben.

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