Google: Der stille Skandal

  • Datum 14-01-2009
  • Von Mehmet Toprak

An die Übermacht von Google hat sich die Internet-Branche weltweit gewöhnt. Das ist ein Fehler. Denn die Risiken sind beträchtlich. Auch für Unternehmen.


War nicht der Ärger über Microsofts Macht ein wichtiger Faktor für den Erfolg von OpenSource? Programme wie Firefox oder die Bürosuite OpenOffice.org hätten wohl kaum so viel Zulauf gehabt, wenn der Marktanteil der Microsoft-Produkte deutlich unter 70 Prozent gelegen hätte.

Im Fall von Google herrscht im Vergleich dazu eine merkwürdige Stille. Abgesehen von einigen wenigen Kritikern wie Sander-Beuermann herrscht Ruhe an der Kritikerfront.

Google ist nicht neutral
Liegt das vielleicht an den Unterschieden zwischen den Produkten? Der entscheidende Unterschied, den ich sehe: Windows und MS Office sind neutrale Werkzeuge, die keinen Einfluss auf den Inhalt nehmen. Mit Word schreibt der Anwender, was er will. Bei Google besteht hingegen das objektive Risiko, dass der Betreiber bestimmte Inhalte, also Websites, bevorzugt und andere ausschließt. Ist übrigens schon passiert. Stichwort: China.

Und aus deutscher Sicht kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Google ist eine US-Firma mit Sitz in Kalifornien. Damit ist diese zentrale Instanz für die globale Informationsgesellschaft weitgehend deutscher Rechtssprechung und dem Einfluss der Politik entzogen.

Es geht auch ohne Google: der Suchdienst Metager2 von SuMa.

Wenn beispielsweise die chinesiche Regierung sich wieder mal über Deutschland ärgert, weil Angela Merkel den Dalai Lama empfangen hat, und von Google fordert, dass deutsche Unternehmen für chinesische Google-Nutzer nicht mehr angezeigt werden dürfen, was könnte man in Deutschland dagegen tun?

In der Selbstdarstellung von Google heißt es: »Das Ziel (...) besteht darin, die auf der Welt vorhandenen Informationen zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen.«

Sicher ein großartiges Ziel. Allerdings bezweifle ich, dass man die Verantwortung für die Informationsfreiheit in der Informationsgesellschaft einem börsennotierten Unternehmen überlassen sollte. Ich vermute mal, dass ein Journalist wie Hanns Joachim Friedrichs das auch nicht anders gesehen hätte ...
(Mehmet Toprak)

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