TRIZ: Erfinderisches Problemlösen

  • Datum 19-02-2009
  • Von Tom Groth

Im zweiten Teil des Aufsatzes über Innovations-Management erklärt Tom Groth, wie man das ideale Produkt entwickelt und stellt TRIZ vor: die Theorie des erfinderischen Problemlösens.

Der erste Teil des Beitrags von Tom Groth beschäftigte sich mit der Frage, wie Innovationsprozess im Unternehmen strukturiert sein sollte. Wer das erste Kapitel nicht gelesen hat, sollte dies vor der Lektüre des nachfolgenden Textes nachholen.

Darstellung der Idealität

Innovation bedeutet immer eine Steigerung des IST Zustandes in allen vier Komponenten in Richtung der Idealität.

Wobei I(ist) ein Produkt beschreibt, das heute verfügbar ist, und als Referenz herhalten soll. Das I(ideal) ist der Punkt nach dem es keine Weiterentwicklung mehr gibt und I(Inno) die Soll-Definition des neuen, innovativen Produktes.

Die Lesweise der Summen
Summe der Funktionen: Beschreibt eine Auflistung der Primär- und Sekundärfunktionen des Produktes. Dies sind hauptsächlich die Eigenschaften, die Hersteller gerne in Datenblätter und Prospekte schreiben.

Summe des subjektiven und individuellen Kundennutzens: Dieser soll durch die Verwendung des Produktes erzeugt werden. Dies ist typischerweise eine Liste der Dinge, die eine Werbeagentur in den Vordergrund stellen möchte. Die Frage die hier hervorsteht ist, macht mich das Produkt glücklicher, schöner, attraktiver, herrscht mehr Neid in meinem Umfeld, oder kann ich durch dieses Produkt auffällige persönliche Defizite überlagern?

Summe der Kosten: gliedert sich nach Entstehungskosten, Betriebskosten und Entsorgungskosten. Hierbei ist es völlig unerheblich welchen Preis das Produkt hat. Wichtig sind, welche Kosten entstehen tatsächlich in der Entstehungsphase des Produktes. Beispielsweise, ein Laptop Gehäuse aus Alu ist teurer in der Entstehungsphase, bringt aber auch einen höheren Materialwert bei der Entsorgung (im Vergleich zu Kunststoffen).

Der ökologische Rucksack
Summe der Systemschäden: Ein Systemschaden, ist generell jedes Delta zur IST Situation im Bereich der Anwendbarkeit zwischen Mensch und Maschine. Zusätzlich zu dem bedienpädagogischen Aspekten kommen hier auch Größe und Gewicht zum Tragen. Analogien zum verwendeten Material (beispielsweise der »ökologische Rucksack«).

Alle Investitionen in die Entwicklungen von Produkten, Technologien oder Dienstleistungen können gezielt an diesem Grundprinzip gemessen und entschieden werden.

Funktionen ohne Nachteile
Eine daraus abgeleitete Entwicklungsstrategie verwendet die Definition des so genannten idealen Resultates, d.h. einem System, welches die gewünschten Funktionen ohne Nachteile (Kosten oder sonstige Schäden) erfüllt. Damit wird die Produktvision eindeutig. Der Unterschied zwischen einfachen Verbesserungen und echten Innovationen ergibt sich bei der Idealitätsbetrachtung durch einen Sprung in die funktionalen Produktebenen. Es ergeben sich aus dieser Sichtweise unterschiedliche Ansätze für Innovationsstrategien.

Der »zählerorientierte« Ansatz konzentriert sich dabei auf die Verbesserung des wahrgenommenen Nutzens und der Funktionen (auch durch Hinzufügung von neuen Funktionen).

Der »nennerorientierte« Ansatz fokussiert die Reduzierung von Kosten und Schäden, bzw. Problemen. Der Grad einer Innovation kann somit für ein Unternehmen konkret mit einer Kennzahl bestimmt werden und ermöglicht mit einer spezifizierten Messgröße die Bewertung von Produkten und Innovationen in allen Funktions- und Systemebenen.

Es können sowohl pragmatisch und umfassend Technologiestrategien auf allen System- und Funktionsebenen eines Produktes oder einer Dienstleistung erarbeitet, als auch anschließend kontrolliert und gesteuert werden. Das Vorgehen nach dem Prinzip der Idealität bildet die Basis für eine strategische Ideenproduktion zu Produkten, Technologien und den wirksamen Aufbau von Patenten und Schutzrechtsstrategien.

Die ideale Strategie
Ausgehend vom idealen Resultat lässt sich auch eine ideale Strategie ableiten, in welcher der Entwicklungspfad, welcher zum idealen Produkt führt, detailliert beschrieben wird.

Hierdurch reduziert sich der Aufwand des Technology-Screenings, der Ideenentwicklung und Konzepterstellung auf eine logisch ausgerichtete Richtung.

Lead User Befragungen, Product Reengineering von Wettbewerbsprodukten und Quality Function Deployment werden dadurch wirksam unterstützt.

Aus diesen Aktivitäten leiten sich dann die Vorsteuergrößen für die weitere Produktentwicklung ab. Dies können z.B. für Funktionen definierte Kostenreduzierungen, Funktionsoptimierungen oder Funktionserweiterungen sein. Im Gegensatz zum reinen plakativen Rationalisierungsdenken können hierdurch exakt definierte Entwicklungsziele mit kurz-, mittel- und langfristigem Hintergrund bestimmt werden.

Ein wertanalytisches Vorgehenskonzept bildet die Basis für ein methodisches Konzipieren und ein systematisches Erarbeiten und Bewerten von Innovationen. Die funktionsorientierte Betrachtungsweise ist wesentlicher Bestandteil der Wertanalyse. Der kreative Schritt von der Funktionsbetrachtung zur Konzeptgenerierung kann mit effektiven Methoden erzielt werden.

Lesen Sie auf Seite 2: Übersicht Werkzeuge und Methoden

Meinungen

Virtualisierung: Nicht immer nützlich

Virtualisierung liegt im Trend. Nach der Server-Virtualisierung geht es nun um Storage, Desktops und Anwendungen. …

weitere Meinungen »